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NFL: NFL fördert weiter deutsche Spieler
veröffentlicht am 04.Mai.2008 @ 11:54:41 von MEB

NFL News DE Christian Mohr sammelte schon NFL-ErfahrungDer Traum von der NFL könnte auch für deutsche Spieler wahr werden. In insgesamt vier einwöchigen Camps kämpfen junge Talente um einen der heiß begehrten Plätze in den Reihen eines NFL-Teams. In jedem Jahr werden acht Spieler im Rahmen des NFL International Practice Squad Programs in der NFL untergebracht. Das heißt sie trainieren die gesamte Saison mit dem Team, können nicht gecuttet werden, da es sich um garantierte Teamplätze handelt, sind andererseits aber auch nicht spielberechtigt. Darüber hinaus kann natürlich jedes NFL-Team ganz regulär weitere Spieler ins Training Camp einladen.

DB Daniel SchoberDie Konkurrenz für die Deutschen ist groß, insgesamt stehen mehr als 80 Spieler auf zahlreichen Nationen wie Mexiko, Japan, Finnland, Schweden, England, Frankreich und Russland auf der Liste von Tony Allen, der dieses Programm organisiert und durchführt. Alle bereiten sich seit Herbst nach besonderen Vorgaben amerikanischer Fitnesscoaches auf die Camps vor. „Leider hat die NFL erst spät (Ende Oktober) grünes Licht für die Fortführung dieses Programms gegeben“, bedauert Tony Allen und erklärt: „Durch den späten Start, haben einige junge deutsche Nachwuchstalente die Einladung nicht annehmen können, weil sie sich inzwischen für eine andere berufliche Laufbahn entschieden haben.“

LB Aden Durde, C Kevin Ansu-Yeboah, QB Tobias Brüning unter den Augen von Coach Peter VaasAnders als in den Vorjahren, als Camps in Europa, Mexiko und Japan stattfanden, werden jetzt alle Spieler in einem Camp zusammengeholt. Das erleichtert zum einen die Organisation und macht andererseits alle Spieler besser vergleichbar. Wer die Auserwählten am Ende sein werden, entscheiden die Coaches und NFL Scouts mit ihrer Empfehlung. Nach jedem Camp werden die Spieler bewertet. Dabei geht es neben Fitness und Spielverständnis auch um die richtige Einstellung. Tony Allen sieht bei den diesjährigen Campteilnehmern acht bis zehn herausragende Spieler und eine Reihe von weiteren großen Talenten, ohne jedoch Namen zu nennen.

Coach Richard Kent, DB Daniel SchoberInteressant ist die hochkarätige Besetzung des Trainerstabes für diese Camps, die bisher in Barcelona, London und Sevilla stattfanden. Neben bekannten Gesichtern aus der NFL Europe wie Peter Vaas (Berlin Thunder, Cologne Centurions), Tom Lovat (Cologne Centurions), Richard Kent (Amsterdam Admirals), Yogi Jones und Ron Hudson (beide Hamburg Sea Devils), sind erstklassige Coaches aus der NFL dabei. Tom Pratt (gewann als Defense Coach den Super Bowl IV mit den Kansas City Chiefs, coachte außerdem in New Orleans und Cleveland). Matt Simon ist für die Running Backs zuständig. Er sammelte bisher Erfahrung als College-Coach, bei den Washington Redskins und ist aktuell bei den San Diego Chargers. Tracy Simien gibt seine Erfahrung als ehemaliger Kansas City Chiefs Linebacker an die jungen Talente weiter. Außerdem dabei Dennis Danielson, ehemaliger Coach der London Monarchs und Berlin Thunder sowie Senior Manager Game and Player Development NFLE, und als Scout Miller McCalmon, ehemals als Coach in Washington und Buffalo aktiv und jetzt Scout für die Huston Texans. Reichlich High School- und College-Erfahrung (Notre Dame, Texas Tech, Texas A&M) bringt Scout Larry Dixon mit.

OL Kevin Yeboah, erst 21 Jahre alt, zählt zu einem der größten deutschen TalenteLarry Dixon wird es auch sein, der in den nächsten Monaten durch Deutschland touren wird, um nach jungen Talenten Ausschau zu halten. Bisher hat er das Spiel der Braunschweig Lions gegen die Stuttgart Scorpions gesehen. Auf seinem Programm stehen weitere Spiele der GFL und der GFL Juniors. Schade nur, dass die ehemaligen National Coaches der NFL Europa, die sonst diesen Job gemacht haben, von der NFL im Zuge der Einstellung der NFLE entlassen wurden. Ihre Kenntnis des hiesigen Footballgeschehens wäre sicher von Vorteil und an der fachlichen Kompetenz von Patrick Esume, Shuan Fatah und Wanja Müller dürfte auch hierzulande keiner mehr zweifeln.

Die große Frage ist: Warum fördert die NFL mit dem NFL International Practice Squad Program internationale Spieler und wie lange hält das Interesse der mächtigsten Liga der Welt an? Nach der Einstellung der NFL Europa ist da natürlich Skepsis angesagt, aber nach Aussage von John Beake (ehemaliger Coach der Kansas City Chiefs und jahrelang General Manager der Denver Broncos, derzeit als Berater für NFL International tätig) wird das Programm fortgeführt und sogar noch intensiviert, da die NFL ein starkes Interesse daran hat, internationale Spieler in die Liga zu bringen.

John Beake zeigt: inches to goJohn Beake bedauert das Aus der NFL Europa. Die Liga bot nicht-amerikanischen Spielern eine hervorragende Gelegenheit, sich für die NFL zu empfehlen und vor allem Spielpraxis auf einem hohen Level zu sammeln. „Die Spieler haben sich Jahr für Jahr verbessert. Irgendwann verschwanden zum Glück auch diese dämlichen Schilder, dass jetzt ein National auf dem Platz sein muss“, so John Beake. Die vier Camps können nur eine deutlich schlechtere Alternative sein und lediglich der Bewertung der Entwicklung der Spieler dienen, denn sie können vier Wochen Trainingscamp und zehn Wochen Ligabetrieb nicht annähernd ersetzen. Allerdings machen sich die Beteiligten bereits Gedanken, wie künftig der Sport insbesondere auch in Europa gefördert werden kann und wie talentierte Spieler bereits in jungen Jahren gezielt gefördert werden. Doch zumindest im kommenden Jahr wird es mit den Camps weiter gehen.

Tony AllenZum praktischen Ablauf erklärt Tony Allen: „Im nächsten Jahr werden wir die Camps in die Zeit von Januar bis April legen, um sicher zu stellen, dass der Ligabetrieb der Amateurligen in Europa möglichst wenig gestört wird.“ Oftmals beschwerten sich die Coaches der Amateurteams darüber, dass man ihre besten Leute zeitweise abziehen würde, übersehen dabei aber, dass eben jene Spieler umso besser ausgebildet zurückkehren und davon das ganze Team profitiert. Spieler, die die harten Camps mitmachen, steigern zum einen ihre eigene Leistung, können ihr Wissen und ihre Erfahrung aber auch an die Teamkollegen weiter geben.

Zu den deutschen Spielern, die sich täglich für einen Platz in der NFL schinden, gehören u.a. die NFLE-Veteranen DB Daniel Schober (Cologne Centurions), LB Richard Adjei (Rhein Fire/Berlin Thunder), DE Christian Mohr (Berlin Thunder, konnte bereits bei den Philadelphia Eagles und Seattle Seahawks NFL-Erfahrung sammeln), OL Samuel Gutekunst (Frankfurt Galaxy/Berlin Thunder), OL Kevin Ansu-Yeboah (Frankfurt Galaxy) sowie LB Oliver Schober.

LB Richard AdjeiVon den Spielern erfordert die Teilnahme an diesem Programm jede Menge Disziplin, denn jeder muss selbst für sich allein dafür sorgen, dass er fit ist. „Das war unser größtes Problem beim ersten Camp. Viele Spieler waren außer Form. Jetzt sieht das schon ganz anders aus“, erklärt Tony Allen.

Das letzte Camp in diesem Frühjahr findet vom 2. bis 10. Juni wieder in Sevilla statt. Das liegt zwar nicht gerade verkehrgünstig, aber das Wetter ist garantiert gut. "Hoffentlich wird es nicht zu heiß“, ist die einzige Sorge von Tony Allen. LB Oliver SchoberDoch wie heiß es in den Training Camps der NFL werden kann, hat sein Sohn Marvin Allen im Camp der Miami Dolphins im letzten Sommer selbst erlebt. Training bei glühender Hitze gehört ebenso zum Alltag eines NFL-Spielers wie Spiele bei Schneesturm und extremen Minusgraden.

MEB

 
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